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Steuern und Finanzen

In Deutschland müssen Unter­nehmen zahlreiche Steuer­zahlungen leisten, beispiels­weise für ihren Umsatz, den Gewinn, einzelne Produkte oder die Beschäftigten. Die Steuern sind entweder vom Unter­nehmen selbst zu tragen oder stell­vertretend z. B. für die Beschäftigten abzuführen. Hierbei kann man zwischen Bundes­steuern, wie der Verbrauch­steuer, oder landes­spezifischen Steuern, wie der Gewerbe­steuer, unterscheiden. Bei den Gemeinde- und Landessteuern können je nach Bundesland Abweichungen bestehen. Weitere Unterschiede ergeben sich nach der Rechtsform und dem Tätigkeits­schwerpunkt des Unter­nehmens. Weiterhin können Unternehmen in gewissen Bereichen Steuer­erleichterungen und -befreiungen beantragen. Die Einhaltungen der Bestimmungen und die Richtigkeit der Angaben werden hierbei durch das Finanzamt kontrolliert.

Buchführung und Bilanzierung
Steuern und Abgaben
Besondere Verbrauchsteuern
Außenprüfungen und Statistikpflichten




Buchführung und Bilanzierung

  • Finanzlage dokumentieren
    Die Buch­führung gilt als Kernstück des betrieblichen Rechnungs­wesens und dient unter anderem dazu, die Vermögens­lage eines Unter­nehmens zu ermitteln, sowie die zahlen­mäßige Grund­lage für seine Besteuerung zu schaffen. Zur Bilanzierung auf Basis der doppelten Buch­führung sind in Deutschland neben eingetragenen Kaufleuten die Personen- und Kapital­gesellschaften verpflichtet. Freiberuflerinnen und Freiberufler sowie Klein­gewerbe­treibende ermitteln ihren steuer­pflichtigen Gewinn durch eine Einnahmen­überschuss­rechnung.
  • Doppelte Buchführung
    Die doppelte Buch­führung beinhaltet zunächst das Erstellen einer Inventur­liste sowie einer Eröffnungs­bilanz zu Beginn der wirt­schaftlichen Tätigkeit. Zum Ende eines jeden Geschäfts­jahres muss das Inventar aktualisiert und ein Jahres­abschluss (bestehend aus Bilanz und Gewinn- und Verlust­rechnung) erstellt werden. Daneben müssen Waren­eingangs- und -ausgangs­bücher geführt sowie alle baren Zahlungs­vorgänge in ein Kassen­buch eingetragen werden.
  • Einnahmenüberschussrechnung
    Die Einnahmen­überschuss­rechnung beinhaltet eine Gegen­über­stellung der Betriebs­einnahmen mit den Betriebs­ausgaben. Sie muss dem Finanzamt mittels eines ent­sprechenden Vordrucks elektronisch übermittelt werden. Liegt der jährliche Umsatz des Unter­nehmens unter 17.500 Euro, kann die Gewinn­ermittlung formlos erfolgen. Gegebenenfalls sind weitere Aufzeichnungen erforderlich: Zur Ermittlung des Umsatzes müssen Netto­entgelt, Umsatz­steuer und Gesamt­betrag gesondert ausgewiesen, der Warenein- und -ausgang separat aufgezeichnet, abnutzbare Anlage­güter in einer Abschreibungs­übersicht gesammelt, gering­wertige Wirtschafts­güter in einem besonderen Verzeichnis geführt und die täglichen Kassen­einnahmen und -ausgaben in einem Kassen­buch eingetragen werden.

  • Aufbewahrungspflichten
    Alle besteuerungs­relevanten Unterlagen sind für die Außen­prüfungen des Finanzamtes zehn Jahre lang aufzu­bewahren. Hierzu gehören beispiels­weise Bücher, Inventare, Jahres­abschlüsse, Buchungs­belege oder Rechnungen. Weitere auf­bewahrungs­pflichtige Geschäfts­unterlagen wie Handels- oder Geschäfts­briefe sind für sechs Jahre aufzu­bewahren.

Steuern und Abgaben

Welche Steuern an das Finanzamt abgeführt werden müssen, hängt von der jeweiligen Unternehmensform ab.

  • Identifikationsnummer bzw. Umsatzsteueridentifikationsnummer beantragen
    Umsatzsteuerpflichtig sind zunächst alle Unternehmen ab einer gewissen Umsatz­grenze. Gewerbe­treibende bekommen in der Regel mit Anmeldung ihres Gewerbes ein Formular zur Beantragung ihrer Steuer­nummer vom Finanzamt unaufgefordert zugesandt. Im Zweifels­fall muss sich das Unter­nehmen selbstständig beim Finanz­amt melden und eine Steuer­nummer beantragen. Strebt das Unter­nehmen einen Waren- oder Dienst­leistungs­verkehr an, der die Grenzen der Europäischen Union überschreitet, wird zusätzlich eine Umsatzsteuer-Identifikations­nummer benötigt. Diese kann beim Bundes­zentralamt für Steuern beantragt werden.

    Deutsche Unternehmen haben die Möglichkeit, die Identifikations­nummer des entsprechenden Empfängers beim Bundeszentralamt für Steuern bestätigen zu lassen. Nach der erfolgten Ausfuhr kann beim Bundeszentralamt für Steuern zudem die Befreiung von der Umsatzsteuer beantragt werden. Dafür müssen die Gründe für die gewünschte Steuer­befreiung angegeben werden. Weiterhin sind dem Antrag folgende Angaben und Dokumente beizufügen: die Umsatz­steuer-Identifikationsnummer, Liefer­scheine, die Empfangs­bestätigung des Abnehmers, Fracht­briefe, Spediteur­bescheinigungen und die Gelangens­bestätigung.

  • Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt
    Der jeweilige Umsatz ist dem Finanzamt je nach Höhe der Zahl­last in jährlichen, viertel­jährlichen oder monatlichen Umsatz­steuer­voranmeldungen anzuzeigen sowie die Steuer­schuld als so genannte Vorsteuer zu leisten. Zusätzlich muss das Unternehmen nach Ablauf des Kalender­jahres eine Umsatz­steuer­jahres­erklärung einreichen. Das Finanzamt prüft, ob eine Differenz zwischen Umsatz­steuer und Vor­steuer besteht und teilt dies ggf. dem Unternehmen in einem Steuerbescheid mit. Entsprechend muss dieses Nachzahlungen tätigen oder erhält eine Rückerstattung von Steuergeldern.

  • Umsatzsteuerbefreiung für kleine Unternehmen
    Beläuft sich der Umsatz des Unternehmens im Vorjahr auf weniger als 17.500 Euro und im laufenden Jahr voraussichtlich auf maximal 50.000 Euro, kann es sich als Klein­unternehmen einstufen und somit von der Umsatz­steuer­pflicht befreien lassen. Neu gegründete Unternehmen können dem Finanzamt für die Befreiung eine Schätzung der zu erwartenden Umsatz­steuer­einnahmen vorlegen.

  • Lohnsteueranmeldung beim Finanzamt
    Beschäftigt das Unternehmen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, muss es zusätzlich Lohn­steuer abführen. Die Lohn­steuer­anmeldung sowie ihre Zahlung erfolgt, abhängig von der Höhe der Lohn­steuer, monatlich, quartals­weise oder jährlich beim zuständigen Finanzamt. Zum Jahres­ende ist der Arbeit­geber bei mehr als zehn Beschäftigten zusätzlich dazu verpflichtet, einen Lohn­steuer­jahres­ausgleich durchzuführen, um die über das Jahr getätigten Lohn­steuer­abzüge zu verrechnen.

  • Gewerbesteuer abführen
    Alle gewerbsmäßig tätigen Unternehmen unterliegen zudem der Gewerbe­steuer­pflicht. Von dieser Regelung ausgenommen sind Frei­berufler sowie Unternehmen unter der Frei­betrags­grenze. Das jeweilige Finanzamt ermittelt auf Basis des kommunalen Gewerbe­steuer­hebe­satzes den Gewerbe­steuer­mess­betrag für jeden Betrieb und leitet diesen an die entsprechende Kommunal­verwaltung weiter. Diese sendet nun den Gewerbe­steuer­bescheid an die Steuer­pflichtigen, die die Steuer in der Regel viertel­jährlich an die Kommune abführen. Zum Jahres­abschluss müssen die Gewerbe­treibenden zudem eine Gewerbe­steuer­erklärung beim Finanz­amt einreichen.

  • Körperschaftsteuer abführen
    Für Kapital­gesell­schaften gilt neben den bisher aufgezählten Besteuerungs­formen zusätzlich die Pflicht, Körper­schaft­steuer zu leisten. Sie stellt eine Art Einkommen­steuer für juristische Personen dar, daher wird das Einkommen als Besteuerungs­grundlage herangezogen. Von der Steuer befreit sind unter anderem soziale oder gemeinnützig agierende Vereinigungen sowie im Körperschaftsteuergesetz genannte Unternehmen des Bundes. Der momentane Steuersatz liegt bei 15 Prozent, er muss quartals­weise an das zuständige Finanzamt voraus­gezahlt werden. Nach Ende des Geschäfts­jahres reicht das Unternehmen eine Körperschaft­steuer­erklärung beim Finanzamt ein, welches die tatsächliche Steuerlast ermittelt und mit den Voraus­zahlungen verrechnet.

  • Feststellungserklärung
    Befindet sich der Sitz einer Einzel­unternehmung nicht im Einzugs­bereich des Finanzamtes am Wohnsitz der Unternehmerin bzw. des Unternehmers, so muss sie oder er zur Ermittlung des Einkommens eine Fest­stellungs­erklärung erstellen. Bei Gesellschafterinnen und Gesellschaftern einer Personen­gesellschaft dient die Fest­stellungs­erklärung dazu, dass die Einkünfte für alle Beteiligten einheitlich ermittelt werden. Die Erklärung dient in beiden Fällen als Grundlage zur Berechnung der Einkommen­steuer.

Besondere Verbrauchsteuern

  • Abführung der Verbrauchsteuer an das Hauptzollamt
    Der Bund erhebt sogenannte Verbrauch­steuern auf Genuss­mittel, Energie- und Kern­brenn­stoffe. Wenn diese Güter hergestellt, zur weiteren Verwendung oder zum Verbrauch aus dem Lager entnommen werden, muss ihr Steuer­betrag vom Hersteller bzw. Unternehmen direkt bei dem entsprechenden Haupt­zollamt angemeldet und abgeführt werden. Zuständig ist jeweils das Hauptzollamt, in dessen Bezirk die Unternehmerin oder der Unternehmer den Geschäfts- bzw. Wohnsitz hat.

  • Steuervergünstigungen und -befreiungen
    Manche Betriebe haben die Möglichkeit, eine Steuer­begünstigung oder auch -befreiung zu beantragen. Beispiels­weise können Inhaber von Herstellungs­betrieben für Energie­erzeugnisse diese steuerfrei für die Herstellung von weiteren Energie­erzeugnissen verwenden. Auch solche Unternehmen, die energie­intensiv produzieren, können eine Energie­steuer- und Strom­steuer­befreiung beantragen. Um die Vergünstigungen zu erlangen, ist ein schriftlicher Antrag beim zuständigen Haupt­zollamt zu stellen. Dem Antrag sind zudem eine Betriebs­erklärung mit einer Beschreibung der wirtschaftlichen Tätigkeit, eine Aufstellung der Betriebs­stätten und Anlagen, eine Aufstellung der Energie­erzeugnisse sowie ein aktueller Register­auszug beizulegen.

Außenprüfungen und Statistikpflichten

  • Beratungen durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
    Die Finanz- und Steuerpflichten sind vielseitig und können bei Nicht­beachtung für das Unternehmen erhebliche monetäre Folgen nach sich ziehen. Manche Unternehmerinnen und Unternehmer suchen daher bei Experten, wie den Steuer­berater­kammern oder entsprechend ausgerichteten Beratungs­firmen Unterstützung. Kleine und mittlere Unternehmen, die seit ihrer Gründung nicht länger als 2 Jahre am Markt sind, können sich solche betriebs­wirtschaftlichen Beratungen auch durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördern lassen. Hierfür ist eine elektronische Antrag­stellung durchzuführen.

  • Überprüfungen durch das Finanzamt oder die Hauptzollämter
    Um die Richtigkeit der steuerlichen Sach­verhalte zu überprüfen, kann das zuständige Finanz­amt in wieder­kehrenden Abständen Außen­prüfungen in den Unternehmen vornehmen. Hierbei können einzelne Steuer­arten geprüft oder eine umfang­reichere Betriebs­prüfung durchgeführt werden. Die Prüfungen sind unabhängig von der Rechts­form für alle Unternehmen gleicher­maßen gesetzlich geregelt. Je nach dem zu prüfenden Schwer­punkt können Außen­prüfungen vom Finanzamt oder von den Hauptzoll­ämtern durchgeführt werden.

  • Auskunft für statistische Zwecke
    Neben den finanziellen Verpflichtungen müssen Unternehmen einen Beitrag für die amtliche Statistik leisten. Welche Daten für statistische Zwecke zur Verfügung gestellt werden müssen, ergibt sich aus dem jeweiligen Tätigkeits­schwerpunkt des Unternehmens. Die zuständigen Ansprechpartner sind die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Existenz­gründerinnen und -gründer können sich in ihren ersten drei Betriebs­jahren auf Antrag von der Berichts­pflicht befreien lassen. Den Antrag müssen sie bei ihrem jeweiligen statistischen Landesamt einreichen.

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Weiterführende Links zur Lebenslage


Hier finden Sie Informationen zum Thema:



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Telefonischer Behördenkontakt

  • Anfragen an die Generalzolldirektion zu Rechts- und Fachthemen: 0 351 / 44 834 - 520

  • Unternehmensberatung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle: 0 6196 / 908 - 1570

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