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Längerfristige Krankheit

Krankheiten können in jedem Alter und in unter­schiedlichen Formen auftreten. Dabei kann es sich um nur kurz­fristige Erkrankungen handeln, aber auch um jene, die monatelang andauern oder einen chronischen Verlauf entwickeln. Führt die Krank­heit zu einer Erwerbs- oder Berufs­unfähigkeit werden weitere Behörden­gänge notwendig. Um sich bestmöglich abzusichern sind im Falle einer Krankheit Kontakte vor allem mit der Kranken­kasse, der Renten- und der Unfall­versicherung notwendig. Zudem können weitere Sozial­leistungen beantragt werden. Auch bei der Erkrankung eines pflege­bedürftigen Kindes können für die Eltern spezielle Behörden­kontakte notwendig werden.

Eintritt und Verlauf einer Krankheit
Beantragung finanzieller Hilfen
Krankheit eines Kindes

Eintritt und Verlauf einer Krankheit

Eintritt der Krankheit

Erkrankt eine erwerbstätige Person, so hat sie die Erkrankung in der Regel ab dem dritten Tag der Kranken­kasse und dem Arbeitgeber zu melden. Die Erkrankung wird von einem Arzt oder einer Ärztin festgestellt. Im Krank­heitsfall wird anschließend die Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung in mehrfacher Ausführung ausgestellt. Diese muss der Kranken­kasse und dem Arbeitgeber übermittelt werden. Mit diesem Schritt wird die Lohn­fortzahlung im Krankheitsfall sicher­gestellt. Ist eine erkrankte Person nicht erwerbstätig und bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet, muss die Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung anstatt beim Arbeitgeber bei der Agentur für Arbeit eingereicht werden.

Ist ein Arbeitsunfall oder eine Berufs­krankheit die Ursache für die Erkrankung, haben Beschäftigte ihrem Arbeitgeber dies mitzuteilen. Der Arbeitgeber muss eine entsprechende Meldung für den Unfall­versicherungs­träger, in der Regel für die Berufs­genossen­schaft, ausfüllen, unterschreiben und übermitteln. Bei einer absehbar länger­fristigen Erkrankung ist zudem ein Durch­gangs­arzt aufzusuchen. Bei Verdacht auf eine Berufs­krankheit hat der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin dies dem Unfall­versicherungs­träger zu melden. Die betroffenen Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer können sich bei Verdacht auf eine Berufs­krankheit ebenfalls an den Unfall­versicherungs­träger wenden.

Wird eine Person von einer Fachärztin oder einem Fach­arzt in ein Kranken­haus eingewiesen und werden im Anschluss an die dort stattfindende Versorgung weitere Anschluss­behandlungen oder Reha-Maßnahmen notwendig, sind diese bei der Deutschen Renten­versicherung zu beantragen.

Dauer der Krankheit länger als sechs Wochen

Hält eine Erkrankung länger als sechs Wochen an, stellt der Arbeitgeber die Lohn­fortzahlung in der Regel ein, sodass bei der Kranken­kasse Kranken­geld beantragt werden muss. Der Antrag auf Krankengeld entspricht jedoch nicht einem klassischen Antrag. Stellt der Arbeitgeber die Lohnfort­zahlung ein, meldet er dies der Kranken­kasse. Diese übermittelt in der Regel ein Informations­schreiben an die versicherte Person, dass künftig Kranken­geld gezahlt wird. Die Versicherten bestätigen dies der Kranken­kasse unter Nennung der Bank­verbindung. Für eine lückenlose Zahlung des Kranken­gelds haben die Versicherten sicherzustellen, dass alle vom behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin ausgestellten Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen an den Arbeitgeber und die Kranken­kasse übermittelt werden. Ein separater Auszahl­schein des Arztes oder der Ärztin zur Vorlage bei der Kranken­kasse wird nicht mehr benötigt, da entsprechende Angaben seit dem 1.1.2016 auf der Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung eingetragen werden. Angaben zum bisher erhaltenen Arbeits­entgelt übermittelt der Arbeitgeber direkt an die Kranken­kasse, sodass die Versicherten diesen Nachweis nicht beschaffen und einreichen müssen. Nimmt eine Person während dieser Zeit an Reha-Maßnahmen, an Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeits­leben teil oder befindet sie sich in der Klärungs­phase zum Vorliegen einer Erwerbs­minderung oder Berufs­unfähigkeit, stellt die Krankenkasse die Zahlung des Kranken­gelds ein. In diesen Fällen kann bei der Agentur für Arbeit Übergangs­geld beantragt werden. Eingereicht werden müssen dort ebenfalls Entgelt­bescheinigungen des Arbeitgebers und eine entsprechende Bescheinigung der Krankenkasse.

Ist ein Arbeitsunfall oder das Auftreten einer Berufs­krankheit die Ursache für die anhaltende Erkrankung, wird von der Krankenkasse oder dem Unfallversicherungsträger, d. h. für gewöhnlich von der Berufs­genossen­schaft, Verletzten­geld gezahlt. Diese Leistung muss in der Regel nicht beantragt werden, da die Krankenkassen durch die regelmäßig eingereichten Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen Kenntnis von der andauernden Krankheit haben. Die Unfallversicherungs­träger werden zudem mit Eintritt der Berufs­krankheit oder des Arbeits­unfalls und von der fort­bestehenden Arbeits­unfähigkeit von der behandelnden Ärztin oder vom behandenden Arzt unterrichtet. Die Kranken­kasse zahlt schließlich im Auftrag des Unfall­versicherungs­trägers das Verletzten­geld aus.

Die Höhe der Einkünfte aufgrund des Kranken-, Übergangs- und Verletzten­geldes sind im Rahmen der Einkommen­steuer­erklärung für das Finanzamt anzugeben. Auch die durch die Krankheit entstandenen Krank­heits­kosten können dort als außer­gewöhnliche Kosten angegeben werden.

Dauer der Krankheit länger als 78 Wochen

Besteht eine Erkrankung nach 78 Wochen weiter fort, fordert die Krankenkasse oder die Agentur für Arbeit den Betroffenen oder die Betroffene auf, einen Antrag auf Reha-Maßnahmen und/ oder Erwerbs­minderungs­rente zu stellen. Dies gilt für erwerbstätige und für arbeitslose Personen. In den meisten Fällen geht dem Antrag auf Erwerbs­minderungs­rente der Antrag auf Reha-Maßnahmen voraus. Die vorherige Teilnahme an diesen Maßnahmen ist allerdings nicht vorgeschrieben, um einen Antrag auf Erwerbs­minderungs­rente stellen zu können. Diese Reha-Maßnahmen werden bei der Deutschen Renten­versicherung beantragt. Dem Antrag beizufügen sind ärztliche Gutachten und das Aufforderungs­schreiben der Kranken­kasse oder der Agentur für Arbeit. Werden die Maßnahmen bewilligt, führen die Behandlungen aber nicht zum Abklingen der Erkrankung, wird ebenfalls bei der Deutschen Renten­versicherung der Antrag auf Erwerbs­minderungs­rente gestellt. Dem Antrag sind folgende Nachweise, soweit zutreffend, beizufügen: Reha-Gutachten, andere ärztliche Gutachten, Bescheide über empfangene Sozial­leistungen, Ausbildungs- und Krank­heits­zeiten, sowie Zeiten der Arbeits­losigkeit. Wird der Antrag bewilligt und die Rente ausgezahlt, sind die Einkommen ebenfalls in der Einkommen­steuererklärung anzugeben. Bei Ablehnung der Anträge auf Reha-Maßnahmen oder Rente, können die Betroffenen einen Wider­spruch bei der Deutschen Renten­versicherung einlegen. Wird auch dieser abgelehnt, kann vor dem Sozial­gericht geklagt werden.

Ist stattdessen eine Berufs­unfähigkeit die Ursache für die lange Erkrankung, können bei der Deutschen Renten­versicherung, der Agentur für Arbeit und beim Unfall­versicherungs­träger bzw. der Berufsgenossenschaft Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben beantragt werden. Diesen Anträgen sind ärztliche Gutachten beizufügen. Falls diese Leistungen nicht zu einer Besserung führen, kann ebenfalls ein Antrag auf Erwerbs­minderungs­rente bei der Deutschen Renten­versicherung gestellt werden.

Leiden ein Betroffene an einer chronischen Erkrankung, kann bei der Kranken­kasse eine Zuzahlungs­befreiung beantragt werden. Dafür müssen Einkommens­nachweise, Quittungen und ärztliche Bescheinigungen eingereicht werden. Die Kosten der chronischen Erkrankung können ebenfalls als außer­gewöhnliche Kosten bei der Einkommen­steuer­erklärung geltend gemacht werden.

Beantragung finanzieller Hilfen

Neben den eben genannten Geldern und Renten können von Krankheit betroffene Personen weitere Hilfen beantragen. Bei der Kranken­kasse oder beim Amt für Soziales kann eine Haushalts­hilfe beantragt werden, die Unterstützung in der eigenen Wohnung leistet. Dafür müssen Einkommens­nachweise erbracht und zusätzlich eine ärztliche Bescheinigung eingereicht werden, aus der die voraussichtliche Dauer des Bedarfs hervorgeht.

Sind Auszubildende oder Studierende von Krankheit betroffen und können sie deshalb ihre Ausbildung zeitweise oder längerfristig nicht wie geplant weiterführen, stehen ihnen drei Wege offen.

  • Arbeitslosengeld I bei der Agentur für Arbeit beantragen:

    Wenn die betroffene Person mindestens 1 Jahr lang in einem sozial­versicherungs­pflichtigen Arbeits­verhältnis beschäftigt war, kann sie bei der Agentur für Arbeit Arbeitslosen­geld I beantragen. Für die Beantragung des Arbeitslosen­gelds I werden eine Schul- oder Studien-bescheinigung, der Ausbildungs­vertrag, eigene Einkommens- und Vermögens-nachweise und die der Eltern sowie Bescheide über weitere Unter­stützungs­leistungen benötigt.

  • Arbeitslosengeld II beim Jobcenter beantragen:
    Entfällt für Auszubildende der Anspruch auf Arbeitslosengeld I oder dauert bei Studierenden die Krankheit für 3 bis 6 Monate an, kann beim Jobcenter Arbeitslosengeld II beantragt werden. Dem Antrag auf Arbeitslosen­geld II sind eine Schul- oder Studien­bescheinigung bzw. der Ausbildungs-vertrag, eigene Einkommens- und Vermögens­nachweise und die der Eltern, Vermögens-nachweise, eine Bescheinigung der Kranken­kasse und eine Kopie des Miet­vertrags beizufügen.

  • Sozialhilfe beim Amt für Soziales beantragen:
    Besteht kein Anspruch auf Arbeitslosen­geld I oder II, kann beim Amt für Soziales ein Antrag auf Sozial­hilfe gestellt werden. Dem Antrag beizufügen sind die Exmatrikulations­bescheinigung, die Melde­bestätigung, eine Kopie des Miet­vertrags und die Neben­kosten­abrechnung, ein Nachweis der Kranken­kasse und wiederum Einkommens­nachweise der Eltern und des eigenen Einkommens.

Studierende können zudem einen Antrag auf Verlängerung des BAföG-Anspruchs beim zuständigen BAföG-Amt stellen. Dabei muss nachgewiesen werden, dass sich das Studium durch die Krankheit tatsächlich verlängern wird.

In der Einkommen­steuererklärung für das Finanzamt können entstandene Krank­heits­kosten als außer­gewöhnliche Kosten angegeben werden. Außerdem müssen die empfangenen Sozial­leistungen als Einkommen angegeben werden. Quittungen und Leistungs­bescheide sind der Steuer­erklärung beizufügen.

Krankheit eines Kindes

Ist nicht eine erwachsene Person selbst erkrankt, sondern ihr pflege­bedürftiges Kind, können andere Unter­stützungs­leistungen beantragt werden. So kann bei der Kranken­kasse das sogenannte „Krankengeld bei Erkrankung des Kindes“ beantragt werden, was das Einreichen der Krank­meldung des Kindes erforderlich macht. Bei Arbeits­losigkeit kann ebenfalls das Kranken­geld beantragt werden, wenn aufgrund der Erkrankung des Kindes die Stellen­suche nicht fortgeführt werden kann. Ist das Kind hingegen längerfristig erkrankt, bietet das Jugendamt Beratungen zu denkbaren Unterstützungs­leistungen und Therapien an. Bei der Deutschen Renten­versicherung und der Kranken­kasse können für das erkrankte Kind Betreuungs­hilfen, Therapien und Reha-Maßnahmen beantragt werden. Der Bedarf dieser Behandlungen ist durch ärztliche Gutachten nachzuweisen.

Die durch die Krankheit des Kindes entstandenen Kosten können ebenfalls in der Einkommen­steuererklärung der Eltern angegeben werden.

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Bundesgesundheitsministerium: Bürgertelefon zur Krankenversicherung 0 30 / 340 60 66 – 01

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